Dieser Beitrag ist die stark gekürzte deutsche Fassung meines Rennberichts, der zuerst auf DotWatcher erschienen ist. Die ganze Geschichte – mit allen Anstiegen, Tiefpunkten und Begegnungen unterwegs – gibt es im englischen Original: Termes 53 – How to see Mallorca and Redefine Yourself.

Badass oder Hybris?

Montagmorgen, Berufsverkehr am Stadtrand von Palma. Mein Rücken meldet sich, und das Rennen läuft offiziell schon seit mehr als 25 Stunden. Haben meine Ambitionen meine Fähigkeiten überholt?

Termes 53 ist eine Gravel-Runde über rund 800 Kilometer und etwa 12.000 Höhenmeter, die durch alle 53 Gemeinden Mallorcas führt. Angemeldet hatte ich mich mit meinem Team, dem AlmostGrownUp Adventure Racing Team, nach dem Seven Serpents Quick Bite. Dann stellte ich fest, dass ich die Erstkommunion meiner Tochter falsch im Kalender stehen hatte. Organisator Toni ließ mich trotzdem starten – nur eben später.

Also: Flug nach Mallorca, Umziehen auf der Flughafentoilette, Rad zusammenbauen, eine Stunde Anfahrt zum Rennbüro bei Rapha in Palma. Start am Montag um 10:30 Uhr, 26 Stunden und 30 Minuten nach allen anderen. Im Gepäck: rund 2.000 Trainingskilometer in diesem Jahr. Nicht gerade viel.

Durch die Nacht nach Sa Calobra

Gleich die ersten Kilometer sind ein Test: Rampen mit über 20 Prozent, danach steile, lose Abfahrten, auf denen ich mir ein Enduro-Fully gewünscht hätte. An der Küste bei Sant Elm geht es weiter, um Kilometer 80 kommt das erste Tief, eine Bar mit Meerblick bringt mich wieder zurück.

Hinter Sóller fahre ich in die Nacht: viele Höhenmeter, grober Schotter, Wind und Regen in der Abfahrt. Ein Anruf zu Hause, dann ein Biwak auf Meereshöhe bei Sa Calobra – mit mehr Mücken als Schlaf. Im ersten Morgenlicht klettere ich die berühmten Kehren von Sa Calobra hinauf und schreibe Christoph Strasser eine Nachricht. Seine Antwort ist unübersetzbar und genau das, was ich brauche:

Schiab de Hüttn bis in Zui!

Christoph Strasser

Formentor, Hitze und ein Abstecher zu viel

Über das Kloster Lluc geht es nach Norden, nach einem kurzen Powernap bis zum Cap de Formentor und wieder zurück. Danach wird es hart: Hitze, kaum noch Wasser, schwindende Vorräte. Eine vermeintlich kurze Schleife bei Artà wird zur langen, technischen Abfahrt an einen Strand – und zum Aufstieg in völliger Dunkelheit. Der Tag endet mit gefriergetrockneter Pasta im Hotelzimmer und sechs Stunden Schlaf.

Mein Mantra in diesen Stunden: „This too shall pass.“ Wie es sich anfühlt, wenn es eben noch nicht vorbei ist, steht ausführlich im Original auf DotWatcher.

Der Autor auf einem grünen Schotterweg beim Termes 53 auf Mallorca
Unterwegs auf Mallorcas Schotterwegen. Foto: Rafa Babot

Dust, Mud and Glory

Am zweiten Tag kommt die Energie zurück. Toni und sein Team haben die Strecke mit viel Liebe geplant – inklusive Bäckerei-Stopp in Manacor, Gazpacho und frischem Obst unterwegs. Trotzdem: Sitzbeschwerden, Sitzcreme und endlose Waschbrettpisten.

Es folgen der Puig de Randa, eine weitere Nacht über den Puig de Bonany, ein kurzer Schlaf am Checkpoint und ein Sturz im Schlamm. Kurz vor dem Ziel hole ich andere Fahrer ein, der Rennmodus springt an – und ich entscheide mich bewusst dagegen. Ich will diesen letzten Tag genießen.

Als letzter Finisher rolle ich nach Palma. Bei Rapha werde ich empfangen, als wäre ich der Erste, und der Abend mit dem Team am Mittelmeer ist der schönste Lohn.

Ultracyclisten sind eine seltsame Spezies

Mallorca ist wunderschön, und Termes 53 zeigt diese Schönheit auf eine Art, die man mit dem Auto oder im Hotel nie erlebt. Leicht ist das Rennen nicht – aber die Leidenschaft von Toni und seinem Team macht es zu etwas Besonderem. Für mich war es eine Erdung und eine Verschiebung meiner eigenen Grenzen.

Wer ein anspruchsvolles Gravel-Abenteuer sucht: Meldet euch an. Die Erinnerungen bleiben.

Die ganze Geschichte lesen: Termes 53 – How to see Mallorca and Redefine Yourself auf DotWatcher (Englisch), der Plattform für Ultracycling und Dotwatching.

Fotos: Rafa Babot, Rennfotograf beim Termes 53 – mit freundlicher Genehmigung.