Tausend Kilometer Schotter bei den Seven Serpents, Wüste und Sierra Nevada bei den Badlands, Großglockner im Rennmodus oder knapp 5.000 Kilometer quer durch Europa: Ultracycling stellt an ein Rad andere Fragen als die Feierabendrunde. Und immer wieder kommt dieselbe: Aus welchem Material soll der Rahmen sein?

Gibt es ihn, den heiligen Gral des Rahmenmaterials für das ideale Ultracycling-Rad? Fünf Materialien stehen zur Auswahl: Edelstahl, Stahl, Aluminium, Titan und Carbon. Wir bauen seit 2009 aus allen fünf, haben also kein Lieblingsmaterial, das wir verkaufen müssen. Und aus dieser Erfahrung können wir sagen: Jedes Rahmenmaterial hat seine Stärken – wenn man es richtig einsetzt. Welches zu welchem Abenteuer passt, zeigen wir hier.

Vier Rennen, vier Anforderungsprofile

Seven Serpents: Gut 1.000 Kilometer in der Ausgabe 2026, zum großen Teil offroad, mit technischen Abfahrten und Schiebepassagen. Hier entscheidet nicht das Gramm, sondern ob Rad und Fahrer nach dem dritten Tag noch heil sind.

Badlands: Gut 700 Kilometer und etwa 15.000 Höhenmeter ab Granada, durch zwei Wüsten, an der Mittelmeerküste entlang und zurück in die Sierra Nevada – ohne fremde Hilfe. Sand, Waschbrett, Hitze. Gefragt sind breite Reifen, viel Wasser am Rad und Material, das Staub verzeiht.

Race Across Austria: 2026 gleich zweimal, einmal von Nord nach Süd, einmal von Ost nach West. Die Langstrecke auf der Straße misst 1.000 Kilometer mit 14.000 bis 16.000 Höhenmetern, die Gravel-Ultras gehen bis 850 Kilometer und 16.000 Höhenmeter. Wer hier vorn mitfahren will, klettert viel – und jedes Kilo spürt man am Berg.

Transcontinental Race: Der Klassiker unter den unsupported Rennen. 2025 ging es von Santiago de Compostela bis Constanța am Schwarzen Meer, knapp 4.900 Kilometer und rund 45.000 Höhenmeter, fast alles auf Asphalt. Nach zwei Wochen im Sattel zählt vor allem eins: dass nichts wehtut und nichts kaputtgeht.

einhorn 368 seven serpents, Gravelbike in Rot-Weiß auf einer Schotterstraße
Gebaut für Schotter und lange Tage: das einhorn 368 seven serpents.

Was ein Ultra-Rahmen können muss

So unterschiedlich die Rennen sind, die Liste ist immer ähnlich: Komfort, weil man 15 bis 20 Stunden am Tag sitzt. Haltbarkeit, weil Taschen scheuern, das Rad im Graben liegt oder im Flugzeug landet. Dann das Budget – dazu gleich mehr. Und erst danach: Gewicht.

Warum Gewicht so weit hinten steht? Ein beladenes Ultra-Rad mit Taschen, Wasser und Verpflegung wiegt schnell 15 bis 20 Kilo, dazu kommt der Fahrer. Der Unterschied zwischen einem Carbon- und einem Titanrahmen liegt bei einigen hundert Gramm – ein, zwei Prozent des Gesamtgewichts. Eine schlecht sitzende Sattelposition kostet mehr Zeit als jedes Gramm.

Und dann ist da das Budget, über das in Materialdiskussionen erstaunlich selten gesprochen wird. Das Geld steckt im ganzen Rad, nicht nur im Rahmen. Ein richtig gut ausgestattetes Rad mit Alurahmen, bei dem man zum Beispiel in einen hochwertigen Carbon-Laufradsatz investieren kann, bringt mehr Performance als ein aufwändig lackierter Carbonrahmen, an den aus Budgetgründen „nur“ grundsolide Parts kommen.

Edelstahl: ein Kunstwerk für die lange Straße

Aus Edelstahl haben wir zum Beispiel ein Rennrad für den Langstreckenklassiker Paris–Brest–Paris gebaut, das einhorn 346. Der edle Columbus-XCr-Rohrsatz ist leicht, hat eine tolle Eigendämpfung und ist schon für sich genommen ein Kunstwerk.

Aber: Es ist kein Rad fürs Grobe. An den dünnsten Stellen beträgt die Wandstärke nur 0,4 Millimeter. Das spart Gewicht und sorgt für Fahrkomfort – fällt das Rad aber um oder wird es beim Transport schlecht behandelt, drohen böse Dellen oder Risse. Auch bei hoher Zuladung oder für große, kräftige Fahrer würden wir eher davon abraten. Für unseren Kunden war das 346 trotzdem genau richtig: das Traumrad, das er sich schon immer gewünscht hatte.

einhorn 346 corsa xcr, Edelstahl-Rennrad mit spiegelpoliertem Rahmen
Spiegelpoliertes Columbus XCr, goldene Akzente, Felgenbremsen und Di2: das einhorn 346 corsa xcr für Paris–Brest–Paris.

Stahl: der robuste Klassiker

Stahl ist ein Klassiker und wird immer seine Fangemeinde haben. Die Wandstärken sind dicker als bei Edelstahl, das Gewicht ist etwas höher – dafür ist der Rahmen robuster. Und beim Ultracycling spielt das Mehrgewicht, wie gesagt, eine kleinere Rolle, als man denkt.

Wir konservieren alle unsere Stahlrahmen von innen. Trotzdem sollte man das Rad nach Fahrten im Regen im Trockenen und Warmen lagern, damit es gut auslüften kann – dann hat man Jahrzehnte Spaß damit. Bei harten Ultracycling-Einsätzen leidet in der Regel zuerst der Lack. Hier empfiehlt es sich, an den neuralgischen Punkten mit Schutzfolie zu arbeiten.

Wir sind selbst lange einen Stahl-29er bei Rennen der Adventure Racing World Series gefahren, bevor wir dafür das einhorn 353 in Titan gebaut haben. Kurzum: Stahl wählt man, weil man Stahl mag – die schlanke Optik und das komfortable Fahrgefühl.

Aluminium: unterschätzt und wiederentdeckt

Aluminium hat in der Branche den Ruf des Einsteiger-Materials. Das mag für die Massenhersteller gelten – mittlerweile haben aber auch Boutique-Marken wie Mason aus England oder Standert aus Berlin Aluminium als Material für High-End-Bikes wiederentdeckt. Wir verwenden mehrfach konifizierte Premium-Rohre des italienischen Herstellers Dedacciai.

Aluminium empfehlen wir immer dann, wenn man die richtige Balance aus Gewicht, Steifigkeit und Robustheit sucht, ohne das Budget zu sprengen. Und was beim Rahmen gespart wird, kann in das fließen, was man beim Fahren direkt spürt: Laufräder, Schaltung, Kontaktpunkte. Das Fahrgefühl ist direkter als bei Titan, man bekommt mehr Rückmeldung vom Untergrund – hart oder unkomfortabel ist es aber nicht, vor allem wenn die Komponenten richtig darauf abgestimmt sind.

Persönlich gefällt uns bei Alurahmen der Raw-Look: Der rohe Rahmen wird von Hand geschliffen und mit einer Eloxal-Politur versehen. Und in Kürze gibt es von uns auch Ultracycling-Neuigkeiten in Aluminium: Unser erstes 32-Zoll-Gravelbike wird aus Aluminium gebaut – wie immer natürlich handmade in Italy.

Titan: das Material der Götter

Titan ist ein natürlicher Favorit für den Ultracycling-Einsatz. Die Eigendämpfung liegt auf dem Niveau von Stahl, im Antritt ist Titan aber steifer und direkter. No paint, no worries – und Korrosion ist ein Fremdwort. Vom Gewicht her liegt Titan genau zwischen Carbon und Stahl. Bei einem Maßrahmen stimmen wir Rohrdurchmesser und Wandstärken zusätzlich auf dein Gewicht und dein Gepäck ab.

Ein Titanrahmen hält alles aus, was man ihm abverlangt, und sieht nach zehntausenden Kilometern immer noch bestens aus. Um ihn zu beschädigen, muss man sich richtig anstrengen. Und selbst dann kann ihn unser Rahmenbauer reparieren – sogar einzelne Rohre lassen sich austauschen, zu einem Bruchteil des Neupreises.

Wer beim Rahmen auf Aero-Gains verzichten kann und die schlichte Eleganz von Titan schätzt, bekommt die perfekte Basis für viele Ultrarennen.

einhorn 310 endurance ti classified, Titan-Rennrad vor Alpenpanorama
Titan auf Asphalt: das einhorn 310 endurance ti classified, Gewinner des DI.A Award 2022.

Carbon: leicht, aero – und bei uns mit Reserve

Carbon ist das beste Material, wenn es um niedrigstes Gewicht und beste Aerodynamik geht. Unweigerlich stellt sich aber die Frage: Ist Carbon zu empfindlich fürs Ultracycling?

Bei Carbonrahmen aus der Massenfertigung der großen Hersteller ist das unseres Erachtens sicher der Fall: Rennradrahmen mit 700 oder 800 Gramm haben schlichtweg nicht genug Materialreserven, um Schlaglöcher auf albanischen Nebenstraßen bei 35 km/h und vollem Gepäck auszuhalten. Wir legen unsere Carbonrahmen deshalb seit jeher auf der sicheren Seite aus: lieber 100 Gramm mehr – und dafür keine Panik bei Abfahrten mit vollen Packtaschen, bei Flugreisen oder kleineren Stürzen.

Ein weiterer Vorteil von Carbon: Wir können eine Rahmenplattform bauen, die 80 bis 90 Prozent des Maximums für Rennen vom Seven Serpents bis zum TCR abdeckt. Bestes Beispiel ist das einhorn 350. Es nimmt bis zu 50 Millimeter breite Reifen auf und ist für Bikepacking-Gepäck ausgelegt. Mit 30-Millimeter-Slicks auf Bike Ahead Biturbo Aero Laufrädern ist es aber auch ein ernstzunehmendes Allround-Racebike. Der Antrieb lässt sich von 1×13 auf 2×12 umbauen – so abgestimmt fühlt sich das 350 in allen Einsatzbereichen schnell an.

einhorn 350 in Grün mit breiten Gravelreifen
einhorn 350 im Gravel-Max-Setup
einhorn 350 mit Bikepacking-Taschen
einhorn 350 im Schnee am Timmelsjoch
einhorn 350 im Allroad-Aero-Setup
einhorn 350 mit Bike Ahead Biturbo Aero Laufrädern und Aufleger
einhorn 350 mit Aufleger in der Altstadt
Hinterbau des einhorn 350 mit Carbon-Laufrad und Slick

Eine Plattform, viele Setups: das einhorn 350 vom Bikepacking- bis zum Aero-Setup · 8 Fotos, zum Vergrößern anklicken

Unsere Empfehlung je Rennen

  • Transcontinental Race: Titan oder Carbon mit Endurance-Geometrie, Platz für 32 bis 35 Millimeter breite Reifen, Aufleger und eine Sitzposition, die auch am zwölften Tag noch passt.
  • Race Across Austria (Straße): Carbon, wenn jede Minute am Berg zählt. Titan, wenn das Rad danach auch noch die nächsten zehn Saisons fahren soll.
  • Badlands: Titan oder Carbon als Gravelbike mit 45 bis 50 Millimeter breiten Reifen – bei den Badlands 2025 waren 45 Millimeter die häufigste Reifenbreite – plus Ösen für drei Flaschen und Gabeltaschen.
  • Seven Serpents: Titan oder Stahl, gern als 29er mit Federgabel oder als Drop-Bar-MTB. Robustheit schlägt hier jedes Gramm.
einhorn 353 ti 29er AR ultimate bei der Adventure Racing World Championship in Kanada
Titan im Gelände: das einhorn 353 ti 29er AR ultimate bei der Adventure Racing WM in Kanada.

Und wenn wir uns für eins entscheiden müssten?

Den einen heiligen Gral gibt es nicht. Aber wenn wir uns festlegen müssten: Titan. Kein anderes Material vereint Komfort, Haltbarkeit und Unempfindlichkeit so gut, und kein anderes passt so selbstverständlich zu einem Rad, mit dem man die Hausrunde fährt, nächstes Jahr die Badlands und irgendwann das Transcontinental.

Noch wichtiger als das Material ist aber, dass der Rahmen zu dir passt. Eine Geometrie, in der du auch nach 300 Kilometern noch entspannt sitzt. Reifenfreiheit für den Untergrund, den du wirklich fährst. Ösen und Platz genau für die Taschen, die du mitnimmst. Genau das ist der Vorteil eines Maßrahmens – und genau darüber reden wir am liebsten.

Du planst dein erstes oder nächstes Ultra? Erzähl uns, wohin du fahren willst – so entsteht dein einhorn, oder schau dir unsere Gravelbikes, Rennräder und Mountainbikes an.